Unwissende… oder auch Schillers Räuberlied
January 25th, 2008 Posted in Kochemer KulturImmer diese unwissenden Blogger die irgendwas online stellen, würde ich nie tun! Vor einiger Zeit habe ich ja einen Rotwelschen Text online gestellt, aus dem auch das “bei Hollmusch Lein marschieren wir” oben im Banner herrührte. Ich wusste nicht wirklich woher der Text kam. Meine Quelle war lediglich eine rotwelsche Wörterliste mit dem Text darunter. Damit das auch normalsterbliche verstehen habe ich das auch in normales Deutsch übersetzt. Inzwischen weiß ich das a.) ich eine relativ diletantische Übersetzung abgeliefert habe oder b.)die deutsch-rotwelsch Übersetzung schon falsch war oder c.)eine deutsch-rotwelsch-deutsch Übersetzung sowieso nicht klappen kann. Um das Rätsel nun aufzulösen: Der Text den ich damals Preisgegeben habe ist eine wohl sehr freie, auszugsweise Interpretation des Räuberlieds aus Schillers “Die Räuber”. Um meine schändlichen Fehler etwas wett zu machen, nun der komplette orginaltext mit Scans aus einer 1787 erschienenen Version aus “Die Räuber: Ein Schauspiel in fünf Akten” von Friedrich Schiller. Seite 163, IV Akt, 6. Szene. Bei der ersten Strophe sollten gerade die Mütter mal aufhorchen, sowas wird euren Kindern in der Schule beigebracht!
Stehlen, morden, huren, balgen
Heißt bei uns nur die Zeit zerstreun.
Morgen hangen wir am Galgen,
Drum laßt uns heute lustig seyn.Ein freies Leben führen wir,
Ein Leben voller Wonne.
Der Wald ist unser Nachtquartier,
Bei Sturm und Wind hanthieren wir,
Der Mond ist unsre Sonne,
Mercurius ist unser Mann,
Der’s Prakticiren trefflich kann.Heut’ laden wir bei Pfaffen uns ein,
Bei masten Pächtern morgen;
Was drüber ist, da lassen wir fein
Den lieben Herrgott sorgen.Und haben wir im Traubensaft
Die Gurgel ausgebadet,
So machen wir uns Muth und Kraft
Und mit dem Schwarzen Brüderschaft,
Der in der Hölle bratet.Das Wehgeheul geschlagner Väter,
Der bangen Mütter Klaggezeter,
Das Winseln der verlassnen Braut
Ist Schmaus für unsre Trommelhaut!Ha! wenn sie euch unter dem Beile so zucken,
Ausbrüllen wie Kälber, umfallen wie Mucken,
Das kitzelt unsern Augenstern,
Das schmeichelt unsern Ohren gern.Und wenn mein Stündlein kommen nun,
Der Henker soll es holen!
So haben wir halt unsern Lohn,
Und schmieren unsre Sohlen.
Ein Schlückchen auf den Weg von heißen Traubensohn,
Und hura rax dax! geht’s, als flögen wir davon.
Über dieses Buch Dieses Buch lesenDie Räuber.: Ein Schauspiel von fünf Akten, Von Friedrich Schiller
One Response to “Unwissende… oder auch Schillers Räuberlied”
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